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Leseprobe für das Buch Stauferkind
Friedel, der Junge vom Hohenstaufen
von Nicolas Knoblauch:

So könnte es gewesen sein ...

Friedel, der Junge vom Hohenstaufen

Ich will Euch meine Geschichte erzählen. Eine Geschichte aus meiner Jugendzeit, von wahrer Freundschaft und von treuen Gefährten. Zu dieser Zeit war ich noch unter dem Namen Friedrich oder auch Friedel bekannt, wie mich mei-ne Mutter immer rief.
In der Hälfte meiner Adern floss väterlicherseits Staufer-blut, aus diesem Grund gehörte ich zu dem Adelsge-schlecht der Staufer, in der anderen Hälfte mütterlicher-seits Welfenblut. Diese beiden Geschlechter lagen über lange Jahre im Streit und ich denke, viele hatten die Hoff-nung, dass ich die Einigung bringen könnte.
Ich war für mein Alter hoch gewachsen, aber nicht der Größte. Kräftig und von guter Statur, meine Haare waren fast blond und gekräuselt, mein Antlitz meist heiter, mil-chig weiß, die Wangen etwas gerötet. Als äußerst sprach-gewandt wurde ich beschrieben, mit einer schnellen Auf-fassungsgabe, behutsam, aber auch ebenso kühn und unerschrocken. Meine Mutter las mir aus den Schriften und Taten der Alten Könige vor und mit ihrer Hilfe durch-forschte ich diese eifrig. Ebenso lernte ich von Kindesbei-nen an den Umgang mit Schild und Schwert und übte mich in Armbrustschießen, Reiten und Schwimmen. Aber auch Schachspielen, Dichten und Tanzen gehörten zu meinen täglichen Aufgaben.
Meine Heimat befand sich vormals in Ghibellinen, was in heutiger Zeit Waiblingen heißt. Hier wurde ich im Jahr 1122 geboren. Hier lebte ich mit meiner Mutter Judith, von ed-lem Geblüt, in einem herzoglichen Gehöft. Sie war die Schwester von Heinrich dem Stolzen, Herzog von Bayern und Sachsen. Mein Vater Friedrich II. als Herzog von Schwaben, auch der Einäugige genannt, kümmerte sich um sein Stauferland, baute etliche Burgen und war selten an-wesend, so dass hauptsächlich meine Mutter meine Erzie-hung übernahm, was meinen Vater oft zu der Bemerkung veranlasste, dass ich zu weich und zu weibisch erzogen worden sei. Also beschloss mein Vater, dass ich, sobald ich neun Jahre alt sei, zur Ausbildung in ein entferntes Land gehen sollte, um ein richtiger Mann und Ritter zu werden.
Mit gerade einmal acht Jahren verlor ich von heute auf morgen meine Mutter, meinen liebsten Menschen, als sie nach einer Erkrankung völlig unerwartet starb. Daraufhin entschied mein Vater, dass ich auf die Stammburg der Staufer, auf den Hohenstaufen, sollte, um mich auf die Ausbildung als Ritter vorzubereiten. Meine Kinderzeit und dieses Rockzipfelgehänge seien jetzt vorbei. Mein Großva-ter, der erste Herzog von Schwaben, hatte die Burg einst erbaut.
Also kam ich unverhofft auf die Burg Hohenstaufen, die für die nächste Zeit meine Heimat sein sollte, verlassen von allen, die ich liebte. Denn selbst mein Vater zog es vor, nachdem wir meine Mutter zu Grabe getragen hatten, wieder das Land zu bereisen, anstatt sich um mich zu kümmern. Die Trauer über den Tod meiner Mutter ver-suchte ich zu verdrängen, auch wenn sie meine Kehle zu-schnürte. Und obwohl mein Herz schwer war, unterdrück-te ich meine Tränen tapfer. Nur nachts, wenn es keiner sah, vergoss ich viele davon, so sehr vermisste ich sie. Ein Band der Liebe hatte uns verbunden. Mutter war immer für mich dagewesen und hatte mir auch beigebracht, dass wir nicht nur an uns denken durften, sondern auch an die armen, alten und kranken Menschen, die Hungernden und an die, denen es schlechter ging als uns. Sie hatte es sich nicht nehmen lassen, den Armen selbst Brot und Kleidung zu bringen, vornehmlich dann, wenn mein Vater auf Rei-sen war, denn er hielt nicht viel von dem heiligen Getue und bezeichnete sie oft spöttisch als die „Heilige Judith von Waiblingen“. Meist nahm sie mich mit und so lernte auch ich die Nöte und Sorgen der Armen kennen.
Meine Mutter, von ruhigem, liebem Gemüt, hatte mich außerdem den Glauben an unseren Herrgott gelehrt und auch Wahrheit, Klarheit und Ehrlichkeit meiner Rede. Viel hatte ich mit meiner klugen Lehrmeisterin philosophiert, geredet und hinterfragt. Sie hatte mich immer liebevoll „Friedel“ genannt. Aber nun war sie von dieser Welt ge-gangen und mit ihr ein Teil von mir. Zurück blieben Leere und Trauer.
Ich starrte vor mich hin. Ganz alleine und von allen verlas-sen. Mutter hatte immer gesagt, Gott hat mit jedem Men-schen einen Plan … Doch was sollte das für ein Plan sein, den er mit mir hatte? Hier in dieser kalten Burg mitten auf diesem hohen Berg, weit weg von meinen Freunden, von allen, die ich kannte, mutterseelenallein. Doch meine Mut-ter sollte recht behalten und deshalb will ich Euch meine Geschichte erzählen.
Als ich am nächsten Morgen auf dem Hohenstaufen er-wachte, die ersten Sonnenstrahlen schienen durch den Holzladen vor meiner Kammer, sah die Welt schon ein bisschen freundlicher aus. Ich zog mein Gewand über und begab mich hinunter in den Burghof. Alles schien noch zu schlafen. Somit bot sich eine gute Gelegenheit, um die Burg zu erkunden. Die Burg umfasste fast das ganze Pla-teau des Berges. Zwischen der großen Mauer und dem Gipfelrand war nur geringfügig Platz. Die Burg hatte einen ovalen Grundriss, komplett mit einem dicken Mauerring umgeben.
Eine Trennmauer teilte die Anlage in zwei Teile, den östli-chen Teil als Vorburg, den westlichen als Kernburg, in wel-cher sich die vornehmeren Wohnbereiche befanden.
Hier befand sich auch meine Kammer, im 'Bubenturm'. Von diesem Turm hatte man einen wunderbaren Blick auf das Filisatal, durch welches sich die Filisa, ein kleiner Fluss, schlängelte. Durch das Haupttor führte ein Weg vom „Dorf“ in die Burg. Im nördlichen Teil befand sich eine Zis-terne, die Regenwasser auffing, und eine kleine Kapelle stand im südöstlichen Teil der Burg. Dies sollte also mein neues Zuhause sein.
Inzwischen herrschte hier reges Treiben. Burgwächter gingen zur Ablösung und es war wohl die Köchin, die gera-de mit einem Händler um den Preis für ein paar Kohlköpfe und ein paar Hühner feilschte. Leise, um kein Aufsehen zu erregen, ging ich in den Pferdestall. Fast hätte ich verges-sen es zu erwähnen: Ich hatte doch noch einen treuen Freund, nämlich mein Pferd, der einzige Gefährte, der mir noch geblieben war. Ich hatte es von meinem Taufpaten Graf Otto von Cappenberg zu meinem 7. Geburtstag be-kommen. „Aramis“ war ein besonderes Pferd, von edler Rasse und Gestalt, grauweißer Farbe, mit langer grauwei-ßer Mähne und noch hellgrauem Schweif. Irgendwann würde er ein strahlender Schimmel werden, so hatte man mir erzählt. Er hatte ein gutmütiges Wesen, war schön anzusehen und besaß große Ausdauer und Schnelligkeit. Also, kurz gesagt, das ideale Pferd für mich, was in damali-ger Zeit sehr wichtig und die einzige Möglichkeit war, um von einem Ort zum anderen zu kommen.
Als mich Aramis bemerkte, schnaubte er zur Begrüßung leise.