LICHTMESS
40
Tage durfte Maria nicht raus
Was dann in Jerusalem geschah - Die Menschen
sehnen sich seit jeher nach Licht
Die dunkle Zeit geht zu Ende. 40 Tage
nach Weihnachten steht die Sonne schon wieder höher am Horizont. Für die
Christen, insbesondere die katholischen, wird am heutigen Tage des Lichtes
gedacht, das Jesus in die Welt gebracht hat. Symbolisch dafür werden Kerzen
geweiht.
Man muss sich vorstellen: Gerade mal
erst hundert Jahre ist es her, dass das elektrische Licht in die Häuser kam.
Bis dahin hatten die Menschen im finstren Winterhalbjahr nur Kerzen und Öllampen
um ihre Wohnungen zu beleuchten. Licht galt als wertvolles Gut - denn die
Arbeit der Handwerker und Landwirte war im Dunkeln äußerst beschwerlich.
Carl-Josef Eilhoff, Pfarrer der
katholischen Gemeinde Sankt Johannes in Geislingen, stellt den Bezug zwischen
Licht und Religion her: Weihnachten, das kurz nach der Wintersonnwende gefeiert
werde, liege jetzt 40 Tage zurück. Dieser Zeitraum habe eine ganz besondere
Bedeutung, wie die Bibel im Buch Levitikus es darlege: Eine Frau galt nach der
Geburt eines Knaben für sieben Tage als ‚‚unrein’’; weitere 33 Tage, so ist bei
Levitikus nachzulesen, ‚‚soll die Frau wegen ihrer Reinigungsblutung zu Hause
bleiben.’’ Macht zusammen 40 Tage.
Als diese Frist abgelaufen war, brachte
Gottesmutter Maria ihren Sohn nach Jerusalem, um ihn im Tempel dem Herrn zu
weihen (so berichtet es der Evangelist Lukas). Dort trafen sie auf einen
frommen Mann namens Simeon, der davon überzeugt gewesen war, noch vor seinem
Tod den Messias sehen zu dürfen. Als er Jesus erblickte, bezeichnete er ihn als
‚‚ein Licht, das die Heiden erleuchtet.’’ Und Jesus selbst, so gibt Pfarrer
Eilhoff zu bedenken, habe später gesagt: ‚‚Ich bin das Licht der Welt.’’
Die ‚‚Lichtmystik’’, die seit allen
Zeiten mit Jesus’ Geburt verbunden sei, werde 40 Tage danach noch einmal
deutlich, weshalb für die Katholiken die erweiterte Weihnachtszeit erst jetzt
zu Ende gehe. Dies ist auch der Grund, weshalb in den Kirchen die Christbäume
und Krippen noch immer stehen - ebenso in manchen Wohnungen. Auch Eilhoff hat
seine geschmückte Blautanne bis heute erhalten.
Nun aber ist die Zeit des Lichterglanzes
endgültig vorbei. Die Tageshelle schreitet voran und die Morgenmesse kann
wieder bei Tag stattfinden, ist also eine richtige ‚‚Lichtmess’’, erklärt
Eilhoff. Ein alter Spruch mache die Sehnsucht nach Licht und aufsteigender Sonne
deutlich: ‚‚Lichtmess bei Tag nachtess.’’
Das Licht als Symbol für Gott ist auch
der Hintergrund dafür, dass Kerzen geweiht werden - häufig freilich nicht mehr
an Lichtmess, sondern am Sonntag davor oder danach. Sie sollen das
ganze Jahr über, in der Kirche und daheim, an das ‚‚Licht der Welt’’ erinnern.
Auch heute noch würden diese geweihten Kerzen, so berichtet Eilhoff, bei
Unwettern, Krankheit und Tod entzündet: ‚‚Mit diesen Kerzen holt man sich Christus
ins Haus.’’ Allerdings, das weiß Eilhoff, sei damit auch viel ‚‚Brauchtum und
Aberglaube’’ verbunden. So habe einst das Wachs dieser Kerzen als Schutz vor Dämonen
herhalten müssen. Außerdem seien den an Lichtmess geborenen
Kindern hellseherische Fähigkeiten angedichtet worden.
Lichtmess war noch vor
nicht allzu langer Zeit der Jahreszahltag für Knechte und Mägde - und für sie
oft die einzige Möglichkeit, die Arbeitsstelle zu wechseln. War der Bauer mit
seinem Personal nicht zufrieden, konnte er es das ganze Jahr über entlassen -
mit dem gefürchteten Spruch: ‚‚Heut’ isch Lichtmess.’’ Jeder wusste
dann: Fristlos gekündigt.
Gleich morgen gedenken die Katholiken
übrigens dem Märtyrer-Bischof Blasius aus Armenien. Im Jahre 316 wurde er im
Zuge der Christenverfolgung enthauptet, hat aber kurz zuvor noch ein Kind
gerettet, dem eine Fischgräte im Hals stecken geblieben war. Seither gilt er
als einer der 14 Nothelfer und wird an seinem Gedenktag als Fürsprecher
angerufen, um Gott um Gesundheit zu bitten. Auch dabei spielen Kerzen eine
Rolle: Sie werden bei der Erteilung des Segens den Gläubigen an die Brust
gehalten.
Eilhoff verweist im Zusammenhang mit Lichtmess noch auf einen
weiteren Aspekt: Weil die östlich geprägten Christen Weihnachten ursprünglich
am 6. Januar gefeiert hätten, habe sich bei ihnen dieser ‚‚Lichtertag’’ (auch
‚‚Fest der Begegnung’’ genannt), entsprechend verschoben - auf den 14. Februar.
Geblieben davon sei der heutige Valentinstag, der Tag der Verliebten.